Der österreichische Wärmepumpenhersteller Ochsner legt den Schwerpunkt verstärkt auf Grundwasserwärmepumpen. Während Luft-Wasser-Systeme den Markt dominieren und Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdwärmesonden als bewährte Alternative gelten, bleibt die Grundwassernutzung bislang eine Nischenlösung. Was spricht für die Technologie – und warum kommt sie nicht häufiger zum Einsatz?
Grundwasser als Wärmequelle: Die technischen Vorteile
Grundwasserwärmepumpen nutzen die konstante Temperatur des Grundwassers als Wärmequelle. Im Gegensatz zur Außenluft, deren Temperatur im Winter auf unter null Grad fallen kann, liegt die Grundwassertemperatur ganzjährig zwischen 7 und 12 Grad Celsius. Dieser stabile Temperaturniveau ermöglicht deutlich höhere Jahresarbeitszahlen als bei Luftwärmepumpen. Während Luft-Wasser-Systeme im Jahresmittel COP-Werte von 3,0 bis 3,5 erreichen, kommen Grundwasserwärmepumpen auf Werte zwischen 4,0 und 5,0. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie erzeugen sie vier bis fünf Kilowattstunden Heizwärme.
Der Grund liegt im Prinzip des Kältemittelkreislaufs: Je geringer die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Bei milden Außentemperaturen im Herbst oder Frühjahr können Luftwärmepumpen mit Grundwassersystemen mithalten. Sobald die Außentemperatur jedoch unter 0 Grad sinkt, steigt der Energiebedarf für die Verdichtung des Kältemittels. Grundwasser bleibt dagegen auch im tiefsten Winter bei konstanter Temperatur – ein entscheidender Vorteil für die Betriebskosten in der Heizperiode.
Erschließung und Genehmigung: Die praktischen Hürden
Die Installation einer Grundwasserwärmepumpe erfordert zwei Brunnenbohrungen: einen Förderbrunnen, aus dem das Grundwasser entnommen wird, und einen Schluckbrunnen, über den es nach dem Wärmetauscher wieder ins Erdreich zurückgeführt wird. Der Abstand zwischen den Brunnen muss ausreichend groß sein, damit das abgekühlte Wasser nicht wieder in den Förderbrunnen gelangt. Typischerweise liegen die Brunnen 10 bis 15 Meter auseinander.
Vor der Bohrung steht die Genehmigung durch die Wasserbehörde. Sie prüft, ob das Grundwasser in ausreichender Menge und Qualität vorhanden ist und ob die Entnahme das Grundwasservorkommen beeinträchtigt. In Wasserschutzgebieten sind Bohrungen in der Regel ausgeschlossen. Auch die chemische Zusammensetzung des Grundwassers ist entscheidend: Hohe Eisen- oder Mangangehalte können zu Ablagerungen im Plattenwärmetauscher führen, die den Wirkungsgrad mindern und Wartungskosten erhöhen. Eine vorab durchgeführte Wasseranalyse ist daher unerlässlich.
Diese Anforderungen erklären, warum Grundwasserwärmepumpen in der Praxis selten zum Einsatz kommen. Während Luftwärmepumpen nahezu überall installierbar sind und Erdwärmesonden in den meisten Regionen genehmigungsfähig bleiben, scheidet die Grundwasservariante in vielen Fällen aus geologischen oder behördlichen Gründen aus.
Für wen eignet sich die Technologie?
Grundwasserwärmepumpen sind vor allem für Objekte interessant, bei denen hohe Heizlasten oder lange Laufzeiten anfallen. Mehrfamilienhäuser, Gewerbeobjekte oder öffentliche Gebäude profitieren von der hohen Effizienz und den niedrigen Betriebskosten. Bei einem Neubau im Einfamilienhaus mit niedriger Heizlastberechnung und Fußbodenheizung rechnet sich die höhere Anfangsinvestition oft nicht gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Anders sieht es bei der Altbausanierung mit Heizkörpern aus: Hier müssen Wärmepumpen höhere Vorlauftemperaturen liefern, was die Effizienz von Luftwärmepumpen deutlich mindert. Grundwasserwärmepumpen bleiben auch bei 55 Grad Vorlauftemperatur effizient.
Ein weiterer Anwendungsfall ist die Kombination von Heizen und Kühlen. Grundwasser eignet sich ideal zur passiven Kühlung: Im Sommer kann das kühle Grundwasser direkt über den Wärmetauscher zur Gebäudekühlung genutzt werden, ohne dass die Wärmepumpe läuft. Dieser sogenannte Natural Cooling senkt den Strombedarf erheblich und ist in Gewerbebauten oder Bürogebäuden mit Heiz- und Kühlbedarf ein starkes Argument.
Marktpositionierung im Kontext der Wärmewende
Die politischen Rahmenbedingungen treiben die Nachfrage nach effizienten Heizsystemen. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben gesetzliche Vorgaben zur schrittweisen Dekarbonisierung der Gebäudeheizung eingeführt. In Deutschland schreibt das Gebäudeenergiegesetz ab 2024 vor, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen müssen. Österreich fördert den Wärmepumpenausbau über die Smart-Meter-Integration und vergünstigte Stromtarife. Die Schweiz setzt mit den MuKEn-Vorschriften der Kantone auf strengere Effizienzanforderungen im Neubau und bei Sanierungen.
In diesem Umfeld rücken hocheffiziente Wärmepumpensysteme in den Fokus. Ochsner positioniert seine Grundwasserwärmepumpen gezielt für Objekte, bei denen Luftwärmepumpen an Effizienzgrenzen stoßen oder bei denen Erdwärmesonden aus Platz- oder Kostengründen ausscheiden. Konkurrenten wie Viessmann, Stiebel Eltron oder Wolf bieten ebenfalls Grundwassersysteme an, setzen aber ihren Vertriebsschwerpunkt auf Luft- und Erdwärmepumpen, die breiteren Zugang zum Markt haben.
Wartung und Langzeitbetrieb
Ein oft unterschätzter Punkt ist der Wartungsaufwand. Grundwasserwärmepumpen erfordern regelmäßige Kontrollen der Brunnen und des Wärmetauschers. Ablagerungen durch Eisen- oder Kalkausfällungen können die Effizienz mindern oder im Extremfall die Brunnen verstopfen. Filter und Pumpen im Wasserkreislauf müssen ebenfalls regelmäßig geprüft werden. Dieser Aufwand ist höher als bei Luftwärmepumpen, bleibt aber beherrschbar, wenn die Wasserqualität stimmt und die Anlage korrekt dimensioniert ist.
Im Gegenzug entfällt bei Grundwassersystemen der Außenlüfter, der bei Luftwärmepumpen eine Lärmquelle darstellt und regelmäßig gereinigt werden muss. Auch die Anfälligkeit für Verschmutzung durch Pollen oder Laub entfällt. Aus TGA-Sicht ist die Grundwasserwärmepumpe ein robustes System, wenn die Voraussetzungen stimmen.
Fazit: Keine Universallösung, aber klare Stärken
Grundwasserwärmepumpen bieten messbare Effizienzvorteile gegenüber Luft-Wasser-Systemen. Sie eignen sich für Objekte mit hohem Wärmebedarf, höheren Vorlauftemperaturen oder Kühlbedarf. Die Erschließung ist jedoch aufwendiger, genehmigungspflichtig und an geologische Voraussetzungen gebunden. Für Planer und Installateure lohnt sich die Prüfung immer dann, wenn die Standortbedingungen passen und die langfristigen Betriebskosten im Vordergrund stehen. Ochsner adressiert mit seinem Angebot eine Marktnische, die durch steigende Effizienzanforderungen und den Ausbau der regenerativen Wärmeversorgung an Relevanz gewinnt.


